Grammatik-Angaben

Nom. Sg. Gauner m.
Gen. Sg. Gauners
Nom. Pl. Gauner

Etymologie: Gauner

Gauner m. „jemand, der auf betrügerische Art andere zu übervorteilen versucht; Betrüger, Schwindler, Dieb“. Das Wort ist zuerst in der Form Juonner (Beleg aus dem Jahre 1490, s. Kluge 1901 s.v. Gauner) später auch als Jauner ((Beleg aus dem Jahre 1754, s. Kluge 1901 s.v. Gauner) und Gauner (Beleg aus dem Jahre 1687, s. Kluge 1901 s.v. Gauner), bezeugt und ein Nomen agentis zu jiddisch junen, jonen, jaunen „Würfel spielen; falsch spielen“, das erstmals 1494 nachweisbar ist (FrnhdWb.s.v junen und Kluge 1901 s.v. Gauner ). Die ursprüngliche Bedeutung „falsch spielen, beim (Würfel-)Spiel betrügen“ wurde dann verallgemeinert zu „Betrüger, Schwindler, gerissener Kerl“. Mit obermittel­deutscher Lautung g- für j- (Wolf 1985: 119f.) entstand die hyperkorrekte Form Gauner, die durch Lessing (Du bist zwar ein gauner, aber ich weiß auch, man kömmt jetzt mit betriegern weiter, als mit ehrlichen leuten) in die allgemeine Schriftsprache eingedrungen ist. Ausgangspunkt ist hebr. jawn „Griechenland“, eigentl. „Ionien“, das zu westjidd. j(ō)wṓn wurde. Daraus konnten nicht bezeugtes westjidd. *jewōne(r) „Grieche“ und davon westjidd. *jowonen „(falsch)spielen wie ein Grieche“ > jüngerem jidd. junen, jaunen, juonnen „dss.“ abgeleitet werden. Den Griechen wurde eine beson­dere Geschicklichkeit im Falsch­spielen nachgesagt. Das Wort kommt auf, als nach der Eroberung von Konstan­tinopel durch die Türken (1453) viele Griechen heimatlos um­herzogen (Pfeifer s.v. Gauner). Ein ver­gleich­barer semantischer Wandel liegt vor in frz. Grec „Grieche“, das ebenfalls „Falsch­spieler“ bedeutet (z.B. bei Victor Hugo in dem Gedicht Cette Nuit-là, Vers 20, in Les Châtiments (1853): Morny, Maupas le grec, Saint-Arnaud le chacal. Es ist von den Mitschuldigen des Staatsstreiches vom 2. Dezember 1851 die Rede, die Verwendung von grec ist also eindeutig negativ-pejorativ und eine Übersetzung als „Grieche“ würde sowieso nicht passen. Vgl. auch den Eintrag GREC, GRECQUE in http://atilf.atilf.fr/). Als andere, weniger wahrscheinliche Entstehungsmöglichkeit wird bei Klepsch 2004: 605 die Herleitung aus hebr. jāneh „unterdrücken, niedertreten, gewalttätig sein“ genannt.

Literatur:
http://atilf.atilf.fr/
Klepsch, Alfred: Westjiddisches Wörterbuch. Auf der Basis dialektologischer Erhebungen in Mittelfranken. Band 1 und 2. Tübingen 2004.
Kluge, Friedrich: Rotwelsch. Quellen und Wortschatz der Gaunersprache und und der verwandten Geheimsprachen. Straßburg: Trübner 1901.
Lessing, Der junge Gelehrte (1753), 1. Akt, 6. Auftritt; nach zeno.org 
Pfeifer, Wolfgang (Hg.): Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. 2 Bde. 2., durchges. u. erg. Aufl. Berlin: Akad. Verl. 1993.
Wolf, S. A.: Wörterbuch des Rotwelschen. Deutsche Gaunersprache. 2. durchgesehene Aufl. Hamburg 1985.

Autorin: Sabine Ziegler